10. Juli 2026
Das ungelöste Problem an Hackathons: das Judging
Das Format ist gereift. Das Judging nicht.
Das Hackathon-Format selbst ist gereift. 36 Stunden, starke Cases, Teams, die an einem Wochenende funktionierende Produkte bauen. Dieser Teil funktioniert. Das Judging nicht.
Ich habe inzwischen in genug Pitching-Räumen gesessen, um zu sehen: Keine zwei Jurymitglieder arbeiten gleich. Eines liest die Dokumentation. Das nächste blättert sie durch. Das nächste schaut gar nichts an. Manche wollen nur die Idee. Manche entscheiden in 30 Sekunden anhand des UI.
Ein Fix, der funktioniert hat
Ein Jahr nach meinem Start als Organisator sagte uns ein Teilnehmer, unsere Jury sei nicht technisch genug. Er hatte recht. Bei der nächsten Ausgabe holten wir eine deutlich technischere Jury, und die Tiefe der Fragen veränderte alles. Teams wurden zu ihrer Architektur befragt, nicht nur zu ihrer Story. Das war ein Fix. Der Rest des Problems ist weit offen.
Gleiches Wort, völlig anderer Test
Auch das Pitch-Format selbst ist inkonsistent. An einem Hackathon läuft das Judging wie an einer Wissenschaftsmesse: Die Jury geht von Team zu Team und hört jedem eine Minute zu. Kein richtiger Pitch, kein Q&A, keine Demo. An einem anderen bekommen die Teams sechs Minuten auf der Hauptbühne und ein tiefes Q&A. Gleiches Wort, völlig anderer Test.
Drei Entscheider, drei Blickwinkel
Am grössten Event, das ich organisiert habe, lief das Judging in drei Runden. Der Case-Partner kürt seinen Case-Gewinner. Das Publikum wählt die Top 5. Die Top 5 pitchen noch einmal auf der Hauptbühne vor der Jury. Drei Entscheider, drei Blickwinkel.
An kleineren Events gingen wir weiter: Die Hacker selbst hatten die letzte Stimme. Ohne Veto. Das klingt grossartig, bis einem einfällt, dass die Hacker den Code nie sehen. Sie stimmen über den Pitch ab, nicht über den Build.
Der Sweet Spot ist noch nicht gefunden
Jeder Hackathon, an dem ich war, macht einen Teil davon gut. Keiner macht das Ganze gut. Wenn über 36 Stunden Arbeit in einer Minute entschieden wird, schuldet das Format den Buildern mehr.
Das ist eines der Probleme, die wir beim Design unserer eigenen Sprints ernst nehmen. Der Sweet Spot ist noch nicht gefunden. Wir suchen weiter, ab diesem Oktober in Zürich.
Von Alexandros Riggenbach · Co-Founder